Um 15.45 Uhr pfiff Tino Wenkel aus Leipzig die Drittligapartie zwischen dem 1.FC Union und dem Abstiegskandidaten Jahn Regensburg pünktlich ab und mit dem Schlusspfiff war die Ekstase nicht mehr wegzuwischen. Die Tore des Jahn-Sportparks wurden für die Fans geöffnet und Massen ergossen sich auf das Spielfeld und stürmten in Richtung Trainerbank, wo die Mannschaft feierte. Auch für mich persönlich bedeutete der Abpfiff etwas Besonderes; war es doch so, dass ich zu Zweitligazeiten den Weg zum 1.FC Union fand. Genauer gesagt im Oktober 2003, zu einer Zeit, in der die Kurve sportlich schon lange nur gen Süden zeigte. Ab diesem Zeitpunkt war ich praktisch bei fast jedem Heimspiel, sowie bei ausgesuchten Auswärtspartien dabei und erlebte den Niedergang dieses Vereins, den ich lieben gelernt habe. Also auch der 9. Mai 2004 war mir in negativer Erinnerung, den an diesem Tag musste der 1.FC Union auch rechnerisch alle Hoffnungen auf den Klassenerhalt nach 3 Jahren 2. Bundesliga begraben. Es war unglaublich; die Menschen säumten Platz und Haupttribüne, die Mannschaft genoss das Bad in der Menge sichtlich. Aber noch viel mehr – wenn ich stiller – ließ Chef-Trainer Uwe Neuhaus diesen Tag auf sich wirken. Er analysierte zu nächst im TV sachlich das Spiel, um dann gegen Abend ebenfalls der Party zu verfallen, die in der Heimat, auf dem Gelände an der Alten Försterei gipfelte. Vom Jahn-Sportpark nach Köpenick gab es einen Autokorso, an dem sich lt. Zeugen ca. 600 Fahrzeuge beteiligten.
Auf dem Balkon des VIP-Zeltes zeigten sich die Spieler dann den 4.000 Feiernden und danach wurde bei Speis und viel, sehr viel Trank bis in die späten Abendstunden gefeiert. Die Rückkehr ins Fußballunterhaus ist für den 1.FC Union auf den Tag genau nach 5 Jahren Abstinenz gelungen. Das, was vor der Saison eventuell die kühnsten Optimisten für umsetzbar gehalten haben, ist Real geworden.
Uwe Neuhaus sprach beim kurzen offiziellen Part nach dem Spiel, der Pressekonferenz, davon, dass die Mannschaft sich selbst gekrönt habe. Von einer absolut gelungenen Saison kann man sprechen, so Neuhaus, der aber auch in diesem Moment darauf hinwies, dass „ich aus der Vergangenheit weiß, dass die Arbeit jetzt erst richtig losgeht.“ Mit Rot Weiß Essen stieg Neuhaus im Jahr 2006 in die zweite Bundesliga auf, wo er im November 2006 aber seiner Zeit den Job als Cheftrainer abtreten musste.
Neuhaus ist bodenständig und doch weiß er um die Bedeutung des Erfolgs für die vielen Unioner und das macht ihn so zum Sympathieträger.
Hinzu kommt eine Mannschaft, die ehrlichen Fußball spielt und die in dieser Saison endlich auch zu Hause die Konstanz gefunden hat, um am Ende nicht wie im letzten Jahr zittern zu müssen.
Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: 35 Spieltage sind absolviert und der 1.FC Union verbucht 74 Punkte auf der Habenseite; der erste Gegner – Rang 2 – ist 12 Punkte (!) entfernt und heißt SC Paderborn. 21 Siege, 11 Unentschieden, 3 Niederlagen, so die Bilanz.
Neben der Allzweckwaffe in der Offensive, wie den Standards, zeichnete Union in der Saison 2008 / 2009 vor allem die Abwehr aus, die erst 19 Gegentore zuließ. Mit Abstand Ligaspitzenwert. Die Fortuna aus Düsseldorf kann mit schon 32 Gegentreffern die zweitbeste Mannschaft auf diesem Gebiet.
Die Mannschaft von 2006 / 2007 (damals noch Christian Schreier im Traineramt) wurde unter Neuhaus seit Juni 2007 punktuell verstärkt. Sämtliche Transfers erwiesen sich als Volltreffer. Nach dem der im Sommer 2007 verpflichtete Younga Mouhani (Neuhaus und er kannten sich aus den erfolgreichen Zeiten bei RW Essen, wohl u. a. auch deshalb der Wechsel zu seinem ehem. Trainer) anfangs als „Missverständnis“ tituliert wurde, steigerte sich der kurzzeitig in die Reservemannschaft verbannte Kongolese mit deutschem Pass und erfüllt heute seine Position vor der Abwehr vollkommen, ist fester Bestandteil der Startelf. Auch diese Story schrieb die Ära Neuhaus bei Union.
Präsident Dirk Zingler zündete sich bei der Feier in Köpenick die wohlverdiente Sieger-Zigarre an; er genoss den Moment auf seine Weise.
Zwischen dem 9. Mai 2009 und dem 9. Mai 2004 liegt eine lange Leidenszeit und viel harte Arbeit, so möchte ich es formulieren. Eine Zeit, in der teilweise vor allem die Inkonstanz überwog; und das nicht nur auf dem Platz. In der Saison 2004 / 2005 (meine erste volle Union-Saison, in der ich nur ein Heimspiel verpasste) stand kein Kollektiv auf dem Platz. Nach dem man mit Mühe und Not im Rahmen der Aktion „Bluten für Union“ mit Fans und Sponsoren in Eintracht die Liquiditätsreserve von 1,46 Millionen Euro beim DFB hinterlegen konnte, war man froh, überhaupt die Regionalligalizenz bekommen zu haben. Und von den finanziellen Mitteln, die man noch zusammenfegen konnte, versuchte man eine Mannschaft zusammenzustellen, die überwiegend aus jungen, unerfahrenen Spieler aus unteren Ligen bestand, die auch körperlich – so stellte sich bald heraus – der Regionalliga nicht gewachsen waren.
Ich möchte zum Spiel selbst nicht so viele Worte verlieren; nur so viel: Über 90 Minuten hinweg hatte Union ein großes Plus an der Chancen, sowie mehr Ballbesitz als der Gegner, was dazu führte, dass sich zwangsweise Möglichkeiten ergaben. Zwei dieser Chancen verwerteten Younga (Abpraller nach Ecke Mattuschka und Kopfball Biran) und Karim (Sololauf, nach schönem Pass von Dogan) zum 2:0 Endstand.
So bleiben von diesem Tag vor allem die Jubelbilder im Gedächtnis hängen, die Menschenmasse, die ich nach dem Abpfiff auf den Rasen ergoss und die Spieler schluckte. Es war ein großer Tag.
Danke, Mannschaft! Danke Trainerteam! Danke Verantwortliche!
In der neuen Saison heißt es: 1.FC Union, 2 Bundesliga.
Donnerstag, 23. Juli 2009
Abonnieren
Posts (Atom)