Der FC Carl Zeiss Jena war also zu Gast und benahm sich auch seiner Tabellenplatzierung entsprechend. Das möchte ich jetzt schon mal vorweg schicken. Denn an diesem sonnigen Tag Ende März gastierte der Tabellen sechzehnte im Jahnsportpark. Ich habe noch nie ein Duell zwischen Jena und Union verfolgen dürfen, insofern für mich eine Premiere. Das Rund dann auch mit 8.600 Zuschauern ordentlich gefüllt und der Rahmen war ein würdiger. Also zeitig um 12.30 Uhr vor Ort und endlich hieß es wieder Gegengerade – Stimmung aufsaugen! In der Kurve war es gegen Dresden sicher ganz nett, da es nicht ganz so propre voll war, wie auf der Gegengeraden, aber die ist immer noch der schönste Platz in diesem unschönen Stadion, welches Union aber sportlich auf den Lieb geschneidert ist. Bestes Fußballwetter an diesem Samstag und auch Union versprach durch die tolle Serie zuvor, zu Hause wieder etwas mehr das Punktekonto aufzufüllen. Die erste Überraschung war, dass Kenan Sahin auf der Bank Platz nehmen musste und Shergo Biran von Beginn an ran durfte. Ansonsten das gewohnte Bild auf dem Aufstellungsbogen – die Stammkräfte haben das volle Vertrauen.
Mit dem Anpfiff weg übernahm Union das Zepter und Jena tat nichts, wirklich nichts nach vorne. Hinten stand man sicher, und wenn man doch mal den Weg nach vorne antreten wollte, war man das Spielgerät aller spätestens bei erreichen der Mittellinie wieder los. Offensiv brachte der Gast nichts zu Stande und die Marschroute von deren Trainer René van Eck war klar: Hier einen Punkt mitnehmen und erstmal Torchancen verhindern. In der Defensive standen die Thüringer recht ordentlich, so, dass Union in der ersten Hälfte nur drei gefährliche Chancen rausspielen konnte. Bemben (ehr unfreiwillig), Benyamina (nach toller Vorarbeit als halbrechter Position, 10 Meter Torentfernung, sehr spitzer Winkel) und Biran (schöner Kopfball) scheiterten an Nulle. Der in der Szene mit Karim allerdings Glück hatte, dass dieser den Ball halbhoch spielt, und der so etwas leichter zu entschärfen war. Dazu kam eine Flut von Standards für Union, meist in Form von Ecken, die leider nichts einbrachten. Ärgerlich zu mal man so viele Chancen diese Saison mit Sicherheit von keinem Team mehr geboten bekommt.
Der zweite Durchgang wurde mit den ersten Ecken von Jena im gesamten Spiel eingeläutet. Das nach 46 Minuten. Doch es wurde so gleich heiß im Berliner Strafraum. Danach dann wieder viel Rot-Weiß und wenig Blau im Spiel. In der 60. Minute dann die dickste Chance im gesamten Spiel für Jena und im Endeffekt auch die einzige klare Möglichkeit. Der Jana-Spieler mit der Nr. 9 (Amirante) freundete sich der derweil mit dem Schiedsrichter Markus Pflaum an, nach dem er sich zum wiederholten Mal hatte fallen lassen, weil er kein Morgen gegen Bemben sah, gab es den wohlverdient gelben Karton. In der 63. Minute dann, die Möglichkeit für Union, nach dem Karims Schuss von Nulle nur abgeklatscht werden konnte, setzte Biran den sich bietenden Nachschuss leider neben den Pfosten. Jena zeichnete sich weiter durch destruktive Spielweise aus, wollte eigentlich im Match selbst ehr weniger teilnehmen, traute sich aber öfter als im ersten Durchgang über die Mittellinie. Auffällig war, das viele Ecken, die Mattuschka bzw. Gebhardt traten, an diesem Tag null Ertrag brachten. Am Ende waren es gefühlte 20 Ecken, von denen keine einzige brandgefährlich wurde, schade, denn mit dieser Allzweckwaffe hätte man durchaus Verwirrung stiften können, aber Jena stand hinten verdammt diszipliniert und ließ das gesamte Rot-Weiße Personal an diesem Tag verzweifeln. Doch, nach dem Karim gegen Sahin ausgewechselt wurde, war er der frische Mann, der in der 78. Minute den Elfmeter herausholte. Er ließ zwei Spieler aussteigen und der zweite der beiden ließ das Bein stehen, Sahin fällt, Referee Pflaum zeigt sofort auf den Punkt – Elfer! Und es trat Mattuschka an. Nichts gegen Tusche, aber da liefen bei mir sofort die Bilder von Ende Juli 2007 durch den Kopf, es war der Tag des ersten Punktspiels der Saison 2007 / 2008 zu Hause gegen Fortuna Düsseldorf, und es war die 86. Minute. 0:1-Rückstand und Melka ahnte damals die Ecke. Der Rest ist bekannt. Auch an diesem Tag antizipierte Gäste-Schlussmann Nulle gut, doch Tusche ist gereift und zimmerte den Ball mit Wucht unter die Latte. Geiles Tor und es plumpsten einem schon ein paar Steinchen vom nach knapp 80. Minute so strapazierten Herzen. Union dann durch Tusche fast noch mit dem 2:0, nach wunderschönem Konter. Aber kurz darauf setzte Markus Pflaum den Schlusspfiff an und Union fuhr die die nächsten Aufstiegspunkte ein. Und so knapp das Ergebnis auch erstmal aussieht, es war der hoch verdiente Lohn für eine Union-Elf die das gesamte Spiel im Griff hatte. Unterschlagen möchte ich nicht, dass sich der Elfmeter sich in der Nachbetrachtung als Freistoß herausstellte, denn das Foul fand nicht auf der 16-Meterlinie statt.
Durch die Niederlagen von Düsseldorf und Erfurt (0:2) und Emden zu Hause gegen das Schlusslicht Stuttgarter Kickers (0:1), hat sich der Vorsprung auf Rang der, respektive Rang vier auf 12 bzw. 14 Punkte vergrößert.
Unterdessen bleibt zu notieren, dass Younga nach einem klaren taktischen Foul seine 10 Gelbe in dieser Saison gesehen hat, holla, kein schlechter Wert, aber er gibt es durch seine Leistung 100 % zurück. Gefallen hat mir auch Karim wieder, der kämpferisch gut auftrat und zwei Mal Nulle mit ordentlichen Versuchen prüfte. Gewohnt sicher präsentierte sich derweil Daniel Göhlert, der wieder mal nichts anbrennen ließ.
Neuhaus lobte in der anschließenden PK noch mal ausdrücklich die Cool – und vor allem Cleverness der Mannschaft auf den richtigen Moment zu lauern und dann zu zuschlagen, wenn es gefragt ist. Danach trat er dann allerdings sogleich wieder auf die Bremse und warnte davor die Lorbeeren zum Ausruhen zu nutzten.
Kinder, so wird es was mit dem großen Traum und dieses Wort bemühe ich nicht aus Jux und Tollerei die letzten Wochen – nein, es umschreibt die Gefühlslage im Umfeld des Vereins ganz gut. Am 23. Mai 2004 spielte der 1.FC Union sein letztes 2.Liga-Spiel gegen Wacker Burghausen. Sorgt dafür, dass der 1.FC Union im Sommer 2009 wieder zweitklassig ist!
Ich drücke alle Daumen!
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