Donnerstag, 20. November 2008

Auswärts-Vorbericht.

Erfurt, Erfurt…jaaaaa, also rein sportlich erstmal kein gutes Pflaster.
Auch bei meiner letzten Fahrt nach Thüringen sah das nicht großartig anders aus. Im September 2007 unterlag Union im Spiel im Steigerwaldstadion zu Erfurt verdient mit 0:2 vor über 10.000 Zuschauern. Eines aber kann man über Erfurt nicht sagen: Dass die Einwohner nicht etwas nett oder gar zuvorkommend wären. Man, war ich überrascht. An diesem Sonntag sind wir mit dem Auto angekommen, pünktlich, nach dem wir zuvor unser kulturelles Programm in Wernigerode abgespult haben. Und da wir vorher mit Nichten je ein Spiel gegen Erfurt besucht hatten mussten wir im Union-Dress bei Einwohnern nach dem Weg zum Stadion fragen und haben durchweg positives Feedback bekommen und natürlich die Wegbeschreibung zur Spielstätte. Auch bei der Abfahrt sah man sich zwar entsprechenden Blicken ausgesetzt, aber man ist ja nicht so dünnhäutig, denn andersrum ist es ja auch so, dass man sich die Fans des Gegners mal genauer anschaut. Der Standpunkt bestimmt eben immer die Perspektive, wie man so schön sagt. Es war September und es war warm. Aus diesem Grunde war der Aufenthalt in Erfurt selbst sehr angenehm, denn die Gegend macht schon was her. Nicht die Stadt selbst, aber das Umland, und auch das etwas weiter entfernte Wernigerode, zu dem ich noch ein paar Worte verlieren möchte. Die Stadt, die idyllisch zwischen den Hügeln des Harzes liegt ist auch architektonisch ein kleines Highlight. 33.700 Einwohner bevölkern die Gassen, dazu kommen allerdings noch mal die Touristen, die sich in der Stadt tummeln. Einen guten Griechen kann ich empfehlen, genauso wie einen kleinen Aufstieg zum Schloss Wernigerode, welches ein bisschen abseits des Zentrums auf einer Anhöhe thront. Von oben hat man einen herrlichen Blick auf das Städtchen, das in drei Ortsteile unterteilt ist. Kulinarisch war also – wie aus dem Tipp mit dem Griechen zu hören ist – bestens für uns gesorgt. Die Fassaden der Häuser waren der optische Hingucker. Drei Bibliotheken, Archive und Galerien hat man zu bieten. Auch Museen, wie das Harz – oder das Feuerwehrmuseum sind zu besichtigen, um einen kleinen Auszug zu gewähren. Leider war uns ein Besuch in diesen Einrichtungen nicht möglich, da war genug damit zu tun hatten ein bisschen auf Erkundungstour zu gehen. Der Hauptplatz samt Rathaus sticht einem sofort ins Auge. Das Rathaus wurde lt. Wikipedia bereits 1277 fertig gestellt bzw. eröffnet. Auch am kleinsten Haus, welches Wernigerode zu bieten hat, hatte ich meinen Spaß. Auch das ganze wurde natürlich auf Bild festgehalten. Die Stadtmauern besuchten wir ebenfalls, denn auch hier sind Teile aus dem Mittelalter noch erhalten geblieben. Es war also – um es ein wenig abzukürzen – ein rund um gelungener Abstecher in die kleine Stadt im Harz. Bedauerlicher Weise hatten wir ein äußerst begrenztes Zeitfenster, welches uns nicht erlaubte am Samstag, also einen Tag vor dem Punktspiel in Erfurt, intensiver diese Stadt kennen zu lernen.

Zuvor waren wir noch schnell in Magdeburg, wo wir uns das Stadion der „Bördeferkel“ zu Gemüte führten, welches von außen aber einen verdammt traurigen Eindruck hinterließ. Aber schon knapp anderthalb Monate später durfte ich das Bauwerk von innen in Augenschein nehmen (1.FC Magdeburg vs. 1.FC Union Berlin 1:1).

Okay, Erfurt! Der Zugang zum Gästeblock des Stadions ist mehr als großzügig. Man hat den Eindruck, dass man schnurstracks in einen riesigen Garten einkehrt. Dann geht es rechts eine Anhöhe nach oben und wenn man durchs Tor durch ist hat man den perfekten Blick aufs Spielfeld. Direkt über einem in locker 18 Metern Höhe die Flutlichtmasten. Knappe 2.000 waren damals am Start, was doch ganz ordentlich war und die Kapazität dieses Blocks deutlich macht. Erst ja durch einen Zaun in zwei Sektoren unterteilt. Festestufen, nicht so wie in Neuruppin, wo man um seine Gelenke bangen musste. Light Bier von Warsteiner, dafür gab’s verständlicher Weise empfindliche Abzüge. Was die übrigen Faktoren angeht aber alles im grünen Bereich. Auch für die Polizei war der Tag ziemlich ruhig und so zog die Karawane nach dem 0:2 ganz still und leise ab. Direkt neben dem Stadion steht eine Eishalle mit angeschlossenem Parkhaus, an dessen Fassade die Stadt wie verrückt mit ihren Stars im Bahnradsprint wirbt. Was für eine idyllische Auswärtspartie, die trotz der Niederlage komplett locker über die Bühne gebracht wurde und auch den Schlussakt perfekt meisterte. Nur was die kulinarische Versorgung in Erfurt selbst angeht bin ich nicht wirklich schlau geworden. Parksituation für Pkw – in Ordnung. Rund ums Stadion konnte man seine Schüssel in Ruhe abstellen und sich dann mit Hilfe einiger Ortskundiger zum Stadion durchschlagen.
Ich jedenfalls freue mich auf ein weiteres Mal Erfurt mit Union. Nur sollte der sportliche Ertrag diesmal stimmen. Zum Spiel von vor einem Jahr und zwei Monaten hülle ich den Mantel des Schweigens….jedes Wort wäre eines zu viel.

In diesem Sinne: Erfurt, wir kommen!




Informationen zum Steigerwaldstadion:

- Eröffnung am 17 Mai 1931 (unter dem Namen "Daberstädter Schanze")
-Kapazität 19.439 Zuschauer (6.000 Sitzplätze)
-Spieloberflächte Naturrasen umgeben von einer Tatranbahn
-Flutlicht: Ja
- Wurde für Rockkonzerte genutzt, z. B. trat Bon Jovi 1996 im Stadion auf
- Die Frauenfußball Eruopameisterschaft im Jahr 2001 wurde zum Teil in diesem Stadion ausgetragen (3 Spiele)
- Durch die Tatranbahn und den dazu noch extra verlegten Rasen vor den Blöcken ist man in den Kuven hinter den Toren weit vom Spielfeld entfernt.

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